Gut zu Wissen: Was macht ein Bauprojekt erfolgreich?

Wie gelingt ein neues Schulhaus? Warum werden manche Bauprojekte von der Bevölkerung klar angenommen, während andere an der Urne scheitern? Und welche Rolle spielen Partizipation, politische Kommunikation und Transparenz bei einem Schulhausbau?

Diesen Fragen widmete sich unser jüngster «Gut zu Wissen»-Anlass im Zentrum Stelz in Wil. Zahlreiche Schulleitungen, Schulbehörden, Schulverwaltungen und weitere Interessierte nutzten die Gelegenheit, von Praxisbeispielen und Expertenwissen zu profitieren.

Kreativer Auftakt zum Abend 

Bereits ab 17:00 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Während des Empfangs konnten die Teilnehmenden ihr persönliches Notizbuch mit unserem Lasercutter individualisieren. Die kreative Aktivität sorgte für interessante Gespräche und einen gelungenen Einstieg in den Abend.

Um 17:30 Uhr eröffnete Christian Aegerter den Anlass, begrüsste die Gäste und stellte das Programm sowie die Referentinnen und Referenten vor.

Warum Bauprojekte heute anspruchsvoller geworden sind

Den Einstieg in die Thematik machte Dr. Stephanie Appius von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen.

Sie zeigte auf, wie sich die Rahmenbedingungen für politische Entscheide in Gemeinden verändert haben. Sinkendes Interesse an kommunalen Wahlen, rückläufiges Vertrauen in politische Institutionen sowie Schwierigkeiten bei der Besetzung von Behördenämtern führen dazu, dass Bauprojekte heute unter anderen Voraussetzungen beurteilt werden als noch vor einigen Jahren.

Besonders spannend war ihre Analyse darüber, wer tatsächlich Einfluss auf kommunale Politik ausübt. Einen grossen Einfluss haben insbesondere Gemeindeexekutiven und Gemeindepräsidien. Gleichzeitig wird sichtbar, dass lokale Gewerbe, Vereine oder Kirchen heute oft weniger Einfluss ausüben als früher.

Die Einführung machte deutlich: Wer ein Bauprojekt Schule erfolgreich umsetzen möchte, muss die politischen Rahmenbedingungen verstehen und die Bevölkerung frühzeitig mitnehmen.

Erfolgreiches Bauprojekt: Das Beispiel Eschlikon

Thomas Weber, Schulleiter der Volksschulgemeinde Eschlikon, präsentierte anschliessend den erfolgreichen Weg zum neuen Schulhaus.

Ausgangspunkt waren steigende Schülerzahlen, sanierungsbedürftige Gebäude und der Wunsch, Lernräume nach modernen pädagogischen Erkenntnissen zu gestalten. Dabei stand ein zentraler Gedanke im Mittelpunkt:

Die Infrastruktur folgt der Pädagogik.

Lernen verändert sich. Unterricht verändert sich. Deshalb müssen sich auch Schulräume weiterentwickeln.

Das neue Schulhaus wurde als Ort der Begegnung, des Lernens und der Gemeinschaft konzipiert. Flexible Lernräume sollen langfristig unterschiedliche Unterrichtsformen ermöglichen.

Besonders eindrücklich waren die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler. Aussagen wie:

„Ich bin froh, wenn die Sommerferien schnell vorbei sind, weil ich mich so auf mein neues Schulzimmer freue.“

zeigten eindrücklich, was ein gelungenes Bauprojekt bewirken kann.

Die Erfolgsfaktoren des Projekts Eschlikon

Thomas Weber identifizierte fünf zentrale Erfolgsfaktoren:

  1. Weitblick

Langfristige Entwicklungen wurden früh analysiert und in die Planung integriert. Visionen und Ziele wurden regelmässig überprüft und angepasst.

  1. Bedarfsanalyse

Die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen wurden systematisch erfasst und dokumentiert.

  1. Partizipation

Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie weitere Beteiligte wurden frühzeitig einbezogen.

Workshops, Echogruppen, Nutzergruppen und Besichtigungen anderer Schulhäuser sorgten dafür, dass unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt wurden.

Auch kreative Aktionen stärkten die Identifikation mit dem Projekt. So durften Schülerinnen und Schüler beispielsweise Wände mit Graffiti gestalten oder bei besonderen Projektanlässen aktiv mitwirken.

  1. Kommunikation

Die Bevölkerung wurde regelmässig, verständlich und über verschiedene Kanäle informiert.

  1. Transparenz

Offenheit, nachvollziehbare Prozesse und ein ehrlicher Umgang mit Herausforderungen schufen Vertrauen.

Wenn ein neues Schulhaus an der Urne scheitert

Anschliessend präsentierte Astrid Keller, Präsidentin der Schulen Aadorf, ein Projekt mit einem anderen Ausgang.

Die Ausgangslage war eindeutig: steigende Schülerzahlen, Verdichtung der Gemeinde und ein erheblicher zusätzlicher Raumbedarf.

Geplant waren zusätzliche Schulräume, Kindergärten, schulergänzende Betreuung, Fachräume und eine Turnhalle.

Trotz intensiver Planung, externer Kommunikationsberatung, Informationsveranstaltungen und umfassender Kommunikation wurde das Projekt an der Urne deutlich abgelehnt.

Das Ergebnis:

68,34 Prozent Nein-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von über 60 Prozent.

Die Analyse zeigte, dass das Projekt in Teilen der Bevölkerung als Luxuslösung wahrgenommen wurde. Obwohl zahlreiche Fakten und Vergleiche die Wirtschaftlichkeit belegten, entstand ein anderes Bild.

Erkenntnisse aus dem gescheiterten Bauprojekt

Die Schulen Aadorf haben daraus wichtige Lehren gezogen.

Im Zentrum der weiteren Planung stehen nun vier Kernbotschaften:

  • Kinder fördern
  • Schulraum sichern
  • Verantwortungsvoll bauen
  • Gemeinsam entscheiden

Besonders wichtig wird künftig die noch stärkere Einbindung der Bevölkerung sein. In einem mehrstufigen Partizipationsprozess sollen Bedürfnisse, Erwartungen und Bedenken frühzeitig aufgenommen werden.

Die wichtigste Erkenntnis:

Ein Bauprojekt Schule muss nicht nur fachlich überzeugen. Es muss auch emotional verstanden und getragen werden.

Politische Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Den Abschluss der Referate bildete Willi Brand von der Kommunikationsagentur furrerhugi.

Anhand verschiedener Praxisbeispiele zeigte er, warum politische Kommunikation bei einem Schulhausbau entscheidend ist.

Dabei präsentierte er fünf zentrale Erfolgsfaktoren:

  1. Ehrliche Partizipation

Information allein genügt nicht. Menschen wollen mitreden, mitgestalten und ernst genommen werden.

  1. Komplexität reduzieren

Bauprojekte sind oft sehr komplex. Erfolgreiche Kommunikation übersetzt diese Komplexität in verständliche Botschaften.

  1. Die kritischsten Gegner verstehen

Wer die grössten Kritiker frühzeitig einbezieht, kann wichtige Erkenntnisse gewinnen.

  1. Überraschende Verbündete nutzen

Glaubwürdige Botschafter schaffen Vertrauen. Oft wirken unabhängige Stimmen stärker als Projektverantwortliche selbst.

  1. Methodisch vorgehen

Erfolgreiche politische Kommunikation beginnt lange vor der Abstimmung und begleitet ein Projekt während des gesamten Prozesses.

Dabei stehen drei Ziele im Mittelpunkt:

  • Relevanz schaffen
  • Resonanz erhöhen
  • Akzeptanz stärken

Besonders interessant war die Feststellung von Willi Brand, dass viele seiner Erfolgsfaktoren praktisch deckungsgleich mit den Erfolgsfaktoren des erfolgreichen Eschlikoner Schulhausprojekts sind. Das Projekt bezeichnete er sogar als Beispiel für eine exemplarische Partizipation.

Fazit: Erfolgreiche Schulhausprojekte entstehen gemeinsam

Der Abend zeigte eindrücklich, dass ein erfolgreiches Bauprojekt Schule weit mehr umfasst als Architektur, Kosten und Baupläne.

Ein neues Schulhaus entsteht dort erfolgreich, wo Bedürfnisse ernst genommen, Menschen einbezogen und Entscheidungen transparent kommuniziert werden.

Partizipation, Transparenz und politische Kommunikation sind keine Zusatzaufgaben – sie sind zentrale Erfolgsfaktoren für die Akzeptanz eines Projekts.

Ausklang beim Apéro

Nach der Verabschiedung der Referierenden durch Christian Aegerter und der Übergabe kleiner Geschenke wurde der Apéro eröffnet.

Bei Häppchen und Getränken wurden die Gespräche fortgesetzt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referierenden und Gästen für den spannenden Abend und freuen uns bereits auf den nächsten «Gut zu Wissen»-Anlass.